21.10.10
Förderpreise für Impfung gegen Tumore und Hoffnungsträger in der Krebstherapie vergeben
Stiftung Tumorforschung Kopf-Hals unterstützt Wissenschaftler mit einem Gesamtvolumen von 50.000 Euro
Teilnehmer von links nach rechts
Prof. Wolfgang Strutz, Ehrenvorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Tumorforschung Kopf-Hals, Dr. h.c. Klaus G. Adam, Vorsitzender des Stiftungsrates, Dipl. biol. Christina Susanne Mullins, Prof. Dr. .Dr. h.c. Wolf Mann, Vorstand, Prof. Dr. Roland Stauber, Peter Ditsch, Vorstand, Richard Patzke Vorsitzender des Vorstandes, Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban, Alexander-Karl-Stiftung, Anja Haupt-Kilian, Vorstand, Peter E. Geipel, Vorstand
Das Kuratorium der Stiftung „Tumorforschung Kopf-Hals“ hat bei der 17. Sitzung den mit 50.000 Euro dotierten Alexander-Karl-Preis, gestiftet von der Alexander-Karl-Stiftung, zu gleichen Teilen an zwei wissenschaftliche Projekte vergeben, die bereits sehr gute Ergebnisse bei neuen Therapien erzielt haben: Dr. med. Carl Friedrich Classen und Dipl. biol. Christina Susanne Mullins von der Uniklinik Rostock wollen eine spezielle Impfbehandlung gegen die „Tumorkillerzellen“ im Kopf-Hals-Bereich aufbauen. Prof. Dr. Roland Stauber von der HNO-Klinik der Universitätsmedizin Mainz kann durch den Förderpreis die Kluft zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung bei den Tests mit Substanzen, die das tumorfördernde Einweiß „Survivin“ unterbinden, maßgeblich überbrücken. Die Vorstudien haben zahlreiche chemische Substanzen als Hoffnungsträger in der Krebstherapie hervorgebracht.
„Oft ist es eine persönliche Situation, aus der heraus Stiftungen gegründet werden, deren Arbeit eine wichtige Funktion für das Gemeinwohl darstellt. Die Stiftung Tumorforschung Kopf-Hals hat mit ihrer Arbeit deutliche Impulse in der Krebsforschung gesetzt“, sagte Richard Patzke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Tumorforschung Kopf-Hals. Die Stiftung wurde 1992 durch Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Industrie sowie Professoren der Medizin gegründet. Initiatoren waren Dieter Haupt, der selbst an Kehlkopfkrebs erkrankt war, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolf Mann und Prof. h. c. Wolfgang Strutz. Das Anfangskapital der Stiftung betrug 100.000 DM, inzwischen ist es auf 1,7 Million Euro angewachsen und es werden jährlich Förderpreise in Höhe von 100.000 Euro in Deutschland vergeben.
Seit 18 Jahren setzt sich die Stiftung Tumorforschung Kopf-Hals für die Förderung von Lehre und Forschung ein, um die Behandlung von Tumorerkrankungen nachhaltig zu verbessern und junge, herausragende Wissenschaftler zu fördern. „Die Erforschung der Tumore im Kopf-Hals-Bereich werden in der Forschungslandschaft eher stiefmütterlich behandelt. Höchstens fünf Forschungszentren in Deutschland beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit diesem Bereich“, erläuterte Vorstandsmitglied Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolf Mann. Durch die Aktivitäten der Stiftung Tumorforschung sei auf diesem Gebiet einiges in Bewegung geraten. Gingen am Anfang lediglich fünf Anträge auf Förderung ein, liegen der Expertenjury heute bis zu 30 Förderanträge pro Jahr vor. Private Anschubfinanzierung wird heute immer wichtiger, um weiterführende staatliche Unterstützung zu erhalten.
Die Stiftung „Tumorforschung Kopf-Hals“ schreibt bundesweit jährlich Forschungsstipendien aus. Der Alexander-Karl-Preis wurde 2010 zum zweiten Mal vergeben. In diesem Jahr stellten 24 Wissenschaftler von 15 deutschen Universitäten einen Antrag mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Millionen Euro. „Mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten leisten die Preisträger einen wesentlichen Beitrag für die Zukunft der Forschung von Tumoren im Hals-Kopfbereich“, betonte der Vorsitzende des Kuratoriums, Otto Boehringer, und dankte den Sponsoren, die die Stiftung jedes Jahr unterstützen.
Die geförderten Forschungsprojekte:
Dr. med. Carl Friedrich Classen / Dipl. biol. Christina Susanne Mullins, Kinder- und Jugendklinik der Uniklinik Rostock
Forschungsprojekt: Optimierung einer dendritischen Zellvakzine gegen Glioblastome mittels Inhibierung proapoptotischer und Überexpression antiapoptotischer Gene
Erste Daten zeigen, dass eine spezielle Impfbehandlung, die sogenannte dentrische Zellvakzine, die Heilungsrate deutlich verbessern kann. Nach der Operation werden aus frisch gewonnenem Tumorgewebe Extrakte hergestellt. Diese werden auf die dentrischen Zellen geladen und im Labor stimuliert. Diese Zellen werden nun den Patienten nach einem festen Zeitplan geimpft, wodurch „Killerzellen“ entstehen, die versteckte Tumorzellen angreifen. An der Uniklinik Leuven (Belgien) hat dieses Verfahren bei bestimmten Hirntumoren schon zu einer Ein-Jahres-Überlebensrate von 90 Prozent geführt, bei den bisher üblichen Behandlungen beträgt diese Rate rund 40 Prozent. Dieses Impfverfahren soll zum ersten Mal deutschlandweit in Rostock etabliert werden.
Prof. Dr. Roland Stauber, HNO-Klinik der Universitätsmedizin Mainz,
Forschungsprojekt: Präklinische Evaluierung des anti-tumoralen Potenzials niedermolekularer Survivin-Antagonisten
Chemo- und Strahlentherapie lösen in den Krebszellen normalerweise den programmierten Zelltod, die so genannte Apoptose, aus. Doch viele Krebszellen entkommen dieser natürlichen Abwehr. Sie blockieren die Apoptose, so dass sie den Zellgiften und energiereichen Strahlen widerstehen und ungehemmt weiter wachsen können. Die HNO-Klinik wird nun chemische Substanzen, welche mittels eines Hochdurchsatzverfahrens unter zigtausend wirkungslosen Stoffen gefunden wurden, auf deren Eignung als mögliche neue Krebstherapeutika testen. Bekannt ist, dass diese gefundenen Substanzen, die tumorfördernde Wirkung des Eiweißes Survivin unterbinden und dadurch Krebszellen abtöten. Nun gilt es die Wirksamkeit dieser möglichen Hoffnungsträger im Tumor-Mausmodell auf „Herz und Nieren“ zu überprüfen. Dies ist ein notwendiger Schritt, um den möglichen klinischen Einsatz der neuen Wirkstoffe als mögliche neue Krebstherapeutika zielgerichtet vorantreiben zu können. Die Stiftung Tumorforschung Kopf-Hals unterstützt diese Forschung bereits seit fünf Jahren, unter anderem mit einer Stiftungsprofessur, wodurch eine Forschungsgruppe entwickelt werden konnte. In einigen Jahren könnte es möglich sein, dass Patienten Nanopartikel gespritzt bekommen und so Tumore im Kopf-Hals-Bereich erfolgreich bekämpft werden.
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